Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie

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Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und
Plastische Chirurgie

Arbeitsgruppe TMR

 

Aufgrund des außerordentlich interessanten und sich ständig weiterentwickelnden Bereiches der Armprothetik sind Therapeuten, Techniker, Ärzte in ihrer klinischen Arbeit und Patientenversorgung mehr denn je gefordert.

Prothetische Passteile, Komponenten und Steuerungssysteme, aber auch die Erwartungen des Patienten an eine prothetische Versorgung haben sich durch stetige Innovationen in der Myoprothetik in den letzten Jahren rasant geändert

Zusätzlich bieten additive operative Verfahren, wie beispielsweise „TMR“, neue Möglichkeiten.

Die Arbeitsgemeinschaft TMR, kurz „AG-TMR“ wurde im Rahmen eines sehr interessanten Erfahrungsaustauschs im März 2016 gegründet. Die außerordentliche Rolle der interdisziplinären Zusammenarbeit in der TMR Versorgung spiegelt sich vor allem in den Mitgliedern der AG-TMR wieder. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten, Therapeuten, Technikern und die stete Motivation des Patienten sehen wir schon heute als Schlüssel zum Erfolg einer erfolgreichen TMR-Versorgung.

AG TMR

Anstoßen der Gründungmitglieder: Michaela Buhl, Daniela Wüstefeld, Gunther Felmerer, Martin Schöppl, Ralf Münch, Thomas Münch, Martin Münch, Martin Räder, Lutz Klasen, Dieter Kretz, Agnes Sturma, Ludgar Sölker, Jennifer Ernst.

 

Ziel und gemeinsames Vorhaben der AG-TMR ist es eine Austauschplattform zu bieten. Austausch unserer Erfahrungen in der klinischen Versorgung von Patienten vor, während und nach einer TMR-Versorgung , um eine erfolgreiche, effiziente und den Patienten zufriedenstellende Versorgung zu gewährleisten.

Dieser Versorgungsprozess beginnt mit einer sorgfältigen Patientenselektion und durch ein interdisziplinäres Screening. Die Arbeitsgruppe bietet Hilfestellung und Austauschmöglichkeiten für diese erste Phase. Diese umfasst neben der Patientenselektion und Vorbereitung auf eine TMR-Versorgung darüberhinaus den Umgang mit dem Kostenträger und eine Schulung eines lokalen Therapeuten, der den Patienten von Beginn an adäquat begleitet.

Im Versorgungsprozess selbst ist die TMR-Arbeitsgruppe ein Back-Up für Probleme die auftreten können. Schlussendlich sollte ein Nahziel der TMR- Arbeitsgruppe sein, durch eine standardisierte und hochwertige Nachsorge Qualitätsstandards zu etablieren und um eine hochwertige Versorgungsqualität zu gewährleisten.

In dem Passwort geschützten Download- Bereichs kann auf Fragebögen, Erfahrungsberichte, Tests etc. zurückgegriffen werden. Wir freuen uns auf eine stetig wachsende Sammlung wissenschaftlicher Veröffentlichungen aus dem Bereich der prothetischen Versorgung der oberen Extremität mit Fokus auf TMR, um sich gegenseitig zu aktualisieren.

Wir freuen uns auf einen regen Erfahrungsaustausch,

mit freundlichen Grüßen aus Göttingen,

PD Dr. med. Gunther Felmerer & Dr. med. Jennifer Ernst

 

TMR- Targeted Muscle Reinnervation

Was ist TMR?

beschreibt eine am Rehabilitation Institute of Chicago von dem Rehabilitationsmediziner Todd Kuiken und dem Plastischen Chirurgen Gregory Dumanian der North Western University of Illinois entwickelte Behandlungsmethode zur simultanen und natürlichen myolektrischen Prothesensteuerung. Grundlage ist ein selektiver Nerventransfer der Stumpfneurome auf stumpfnahe Muskeln nach trans- oder glenohumeraler Amputation. Prof. Oskar Aszman & sein Team des Christian Doppler Labor für Extremitätenrekonstruktion der Universität Wien etablierten diese Methode in Europa. In Deutschland wird dieses Verfahren in 2 Kliniken angeboten.

„Target“ aus dem engl. = Zielscheibe, beschreibt die Methodik sehr illustrativ. Nach einer Amputation sind die verbleibenden Stumpfmuskeln „arbeitslos“- dies betrifft die Brustmuskeln des Rumpfes nach Schulterexartikulation oder die Oberarmmuskeln bei transhumeralen Amputationsniveau. Sie werden als „target“, also Zielscheibe verwendet, um von dem im Amputationsstumpf verbleibenden Nervenstümpfen des Armnervenplexus reinnerviert zu werden. Dies erfolgt im Rahmen eines operativen mikrochirurgischen Eingriffs. Die nach Amputation funktionslos verbleibenden stumpfnahen Muskeln, erhalten so eine neue Funktion. Indem die Nerven des Amputationsstumpfes mit Muskeln 
intakter Körperbereiche neu verbunden werden, erhält der Patient die Möglichkeit, seine spätere Armprothese per „Gedanken-Signal“ zu steuern und so mehrere Bewegungsabläufe gleichzeitig, schneller und natürlicher durchzuführen.

Nach einem spezialisierten Training (Abb.1) gelingt es dem Patienten, Bewegungen der Hand, des Handgelenks und des Ellenbogens gleichzeitig durchzuführen. Die Bewegungsabläufe bei konventionellen Armprothesenversorgungen werden bisher nacheinander mittels zweier Muskelsignale kontrolliert- die TMR-Versorgung ermöglicht die Steuerung von bis zu 6 simultanen Bewegungen (vgl. Abb. 2).

 

TMR Kreis.jpg

Abb.1: Versorgungszyklus einer TMR Versorgung. Ein interdisziplinäres Team bestehend aus Ärzten, Therapeuten, Technikern und Wissenschaftlern sowie die Motivation des Patienten führen zu einer erfolgreichen high-tech Versorgung (Grafik mit freundlicher Genehmigung der Fa. Otto Bock ®)

Tabelle TMR

 Abb. 2: Vergleich einer TMR-Versorgung mit einer konventionellen myoelektrischen Prothesenversorgung.

 

Wer ist geeignet?

Aufgrund eines zu erwartenden Versorgungszeitraums von 2 Jahren von Operation bis zur endgültigen prothetischen Versorgung mit Wiedereingliederung in den Alltag und das Berufsleben ist Motivation zur Mitarbeit eines der wichtigsten Indikationskriterien.

Bayern Schaft

Abb. 3: Der TMR versorgte Patient P.K. als Ehrengast beim Bayern München. P.K. verlor im Alter von 18 Jahren seinen Arm im Rahmen eines Wegeunfalls. Der Prothesenschaft seiner TMR-Prothese (rechtes Bild) ist im Bayern München-Trikot-Look von den Orthopädietechnikern und P.K. gestaltet wurden und von Dieter Hoeneß (linkes Bild) handsigniert.