Polytraumasprechstunde - Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie

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Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und
Plastische Chirurgie

Polytraumasprechstunde

Das überregionale Traumazentrum UMG nimmt bundeslandübergreifend in Südniedersachsen eine zentrale Rolle in der Versorgung Schwerstverletzter ein. In einem Umkreis von ca. 150km ist unsere unfallchirurgische Klinik der größte Maximalversorger.

Jährlich behandeln wir rund 800 Schwerstverletzte in unserem Schockraum in der zentralen chirurgischen Notaufnahme, wovon mehr als 300 Patienten lebensbedrohlich schwerstverletzt sind.

Im Schockraum steht 24h am Tag ein interdisziplinäres Ärzte- und Pflegeteam zur Versorgung der meist komplex verletzten Patienten zur Verfügung. Neben der Unfallchirurgie, die im Schockraum den Trauma-Leader stellt, sind dies vor allem die Anästhesiologie, Radiologie, Neuroradiologie, Neurochirurgie, Allgemeinchirurgie, Thorax-Herz-Gefäß-Chirurgie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und alle weiteren operativen und konservativen Fachbereiche.

Je nach Unfallmechanismus und Schwere des Verletzungsmusters und des präklinischen Zustandes des Patienten, werden unterschiedliche Ressourcen im Schockraum bei Ankunft des Patienten vorgehalten. Der Notarzt nimmt dazu direkt Kontakt zu dem diensthabenden Unfallchirurgen auf und meldet über den Liegendkrankeneingang den Patienten mit seiner Schweregradeinstufung an.

Mit einem gut aufgestellten Basisteam können wir so jeden Schwerstverletzten optimal behandeln und jederzeit weitere Fachdisziplinen hinzuziehen. Bei besonders schweren Fällen mit vitaler Bedrohung stehen zeitweise über 20 Ärztinnen und Ärzte für die Versorgung eines Patienten im Schockraum zur Verfügung.

Neben den Verpflichtungen als überregionales Traumazentrum im Traumanetzwerk Göttingen-Kassel nehmen wir eine zentrale Rolle im Qualitätsmanagement der Versorgung Schwerstverletzter sowohl im eigenen Haus als auch im Traumanetzwerk ein. Dazu werden die Unfall- und Versorgungsdaten detailliert und auf die Minute genau im Traumaregister der DGU erfasst (www.traumaregister.de). Dadurch erhält jede Klinik als Traumaversorger für sich, aber auch das Traumanetzwerks als Zusammenschluss mehrerer Traumazentren jährlich einen Datensatz, mit dessen Hilfe die eigene Versorgungsqualität evaluiert und optimiert werden kann.

Der Jahresbericht über die Zahlen des Jahres 2013 zeigt dabei beispielsweise, dass aufgrund der hohen Verletzungsschwere, den unmittelbaren Unfallfolgen und den Vorerkrankungen 11,5% der eingelieferten Patienten hätten versterben sollen. Tatsächlich haben jedoch 91,2% überlebt. Über die letzten 10 Jahre gemittelt ergibt sich hierfür sogar ein signifikanter Unterschied zwischen der prognostizierten Letalität und der tatsächlichen Krankenhausletatlität. (Siehe Abb. 1 aus dem Jahresbericht 2014, Traumaregister DGU)

Prognostizierte Letalität und tatsächlicher Krankenhausaufenthalt
Abbildung 1: Prognostizierte Letalität und tatsächlicher Krankenhausaufenthalt (aus DGU Traumregister Jahresbericht 2014)

Im internationalen Vergleich, innerhalb aller Kliniken, die ihre Daten in das Traumaregister der DGU einpflegen, stehen wir aufgrund der positiven Bilanz zwischen prognostizierter und beobachteter Letalität sowie der hohen Fallzahl an einer der Spitzenpositionen. In der unten aufgeführten Grafik (Abbildung 2) aus dem Traumaregister-Jahresbericht 2014 stellt die UMG den rot angefärbten Punkt dar. Die restlichen gelben Punkte stellen die anderen im Traumaregister erfassten Traumazentren dar. Dabei weisen alle Kliniken, die sich unterhalb der X-Achse befinden eine positive Bilanz bzgl. der Letalität auf. Während wir im Jahr 2013 zwar eine deutliche Reduktion der Letalität erreichen konnten, ist dieser Effekt statistisch nicht signifikant. Eine statistische Signifikanz erreichen wir jedoch beim Mittelwert der vergangenen 10 Jahre (siehe grüner Balken in Abb. 1).

Prognostizierte und beobachtete Letalität
Abbildung 2: Prognostizierte und beobachtete Letalität (aus DGU Traumregister Jahresbericht 2014)

Die Verletzungsschwere der in unserem Schockraum behandelten lebensbedrohlich Schwerstverletzten wird anhand des sog. Injury Severity Scores (ISS) berechnet. Dabei steht der Begriff „Polytrauma“ für eine gleichzeitig entstandene Verletzung mehrerer Körperregionen oder Organsysteme, wobei bereits eine einzelne dieser Verletzungen oder die Kombination mehrerer für den Betroffenen lebensbedrohlich ist. Ein ISS von >15 Punkten weist damit ein Polytrauma nach. In der Abb. 3 ist der mittlere ISS (roter Punkt) in unserem Schockraum aus dem Jahr 2013 aufgezeigt und im Vergleich zum mittleren ISS im Traumaregister DGU dargestellt. Die blaue Kurve zeigt damit alle im Schockraum versorgten Patienten mit den unterschiedlichen Verletzungsschweren nach ISS auf.

ISS in Schockraum Unfallchirurgie UMG (roter Punkt) aus dem Jahr 2013 im Vergleich zum mittleren ISS im Traumaregister der DGU
Abbildung 3: ISS in Schockraum Unfallchirurgie UMG (roter Punkt) aus dem Jahr 2013 im Vergleich zum mittleren ISS im Traumaregister der DGU (aus DGU Traumregister Jahresbericht 2014)

Ziel der Auswertungen ist eine stetige Verbesserung der Versorgung Schwerstverletzter in unserer Klinik. Dabei steht neben dem reinen Überleben auch die Lebensqualität im Vordergrund. Dafür ist eine möglichst rasche und gleichzeitig gründliche Versorgung notwendig. Wir haben es geschafft die Aufenthaltsdauer de Schwerstverletzten in unserem Schockraum im Vergleich zwischen den Jahren 2012 und 2014 stetig bis auf ca. die Hälfte zu verkürzen. Die erste Notfalloperation im OP-Saal erfolgt dabei bereits nach weniger als 25 Minuten nach Ankunft des Patienten im Schockraum. Zuvor werden rund 90% aller aufgenommenen Patienten in einem speziellen Polytraumascan anhand eines neuartigen Multisclice-CTs durchdiagnostiziert und hämodynamisch und respiratorisch stabilisiert.

72% der Patienten können nach stationärer Behandlung so erst einmal nach Hause entlassen werden. 20% werden direkt in eine spezielle Rehaklinik verlegt.